Information zum RSA-Vertrag mit der Gemeinde Zurzach (Ortschaft Kaiserstuhl), Situation beabsichtigte Kündigung des Gemeinderates Weiach
Seit zehn Jahren besuchen die Kinder aus unserer Ortschaft Kaiserstuhl und der Nachbargemeinde Fisibach den Kindergarten und die Primarschule in Weiach (ZH). Diese Aargauer Kinder machen aktuell rund ein Drittel der rund 260 Kinder an der Schule Weiach aus. Der Gemeinderat Weiach hat entgegen der Empfehlung der Schulpflege Weiach entschieden, dass er am 8. März 2026 die Auflösung der Anschlussverträge dem Stimmvolk der Gemeinde Weiach zur Abstimmung vorlegen wird.
Dies hat er am 5. Dezember 2025 mittels Medienmitteilung bekanntgegeben. Die Aargauer Gemeinden Fisibach und Zurzach wurden kurz zuvor, mit einer Auskunftssperre, über die bevorstehende Bekanntgabe informiert.
Der Gemeinderat Zurzach war über die Mitteilung der Kündigungsabsicht und insbesondere den Zeitpunkt sehr überrascht und auch irritiert. Seit November 2024 stand man in regelmässigem Austausch mit der Gemeinde Weiach, da diese mit den Vertragskonditionen nicht mehr einverstanden ist. Da es sich um ein kantonales Schulabkommen handelt, waren verschiedene Abklärungen nötig, welche man alle gemeinsam in die Wege geleitet hat. Mit einer Kündigung zu diesem Zeitpunkt, ohne die Resultate der Abklärungen vorliegend zu haben, konnte daher nicht gerechnet werden.
Wieso strebt der Gemeinderat Weiach eine Kündigung an?
Kritisiert wird insbesondere die mangelnde Kostendeckung. Die Primarschule Weiach erhält aufgrund des Regionalen Schulabkommens (RSA, Staatsvertrag) einen Pauschalbetrag pro auswärtiges Schulkind. Den Betrag, der für alle angeschlossenen Kantone gleich ist, legt die Nordwestschweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz alle zwei Jahre neu fest.
Mit den aktuellen Beträgen kann die Schule Weiach, die gemäss RSA vorgesehenen 85% der durchschnittlichen Nettoausbildungskosten, nicht decken. Gemäss externer Analyse werden, je nach Jahresrechnung, diese gar stark unterschritten. Die 85 Prozent kommen zustande, da ein sogenannter Standortvorteil abgezogen wird. Dies, weil die Schule mit den Kindern aus dem anderen Kanton, beispielsweise bestehende Klassen auffüllen und die Schule im eigenen Dorf somit stärken kann.
Die Weiacher Schulpflege hat bisher argumentiert, dass die Abkommen und die Beiträge laufend überprüft würden und für die Schule einen Gewinn, oder zumindest eine klare Reduktion der Kosten pro Schulkind bewirken. Zudem weisst sie wiederholt darauf hin, dass es abgesehen von den Schulgeldern, auch nicht oder nur schlecht messbare, positive Faktoren für die Schule Weiach gibt. Eine grössere Schule kann in vielen Bereichen mehr schulische Angebote bieten und zudem ein interessanter Arbeitgeber für Vollzeit wie auch Teilzeit Pensen sein.
Kritiker stellen sich immer wieder auf den Standpunkt, dass die Beiträge, d.h. die Schulgelder aus dem Aargau (RSA) nicht kostendeckend seien.
Kostendeckend bedeutet, Gesamtkosten (Vollkosten) geteilt durch Anzahl Schulkinder. Diese Aussage ist grundsätzlich richtig und nicht bestritten. Denn dies ist und war nie die Voraussetzung beim RSA. Im RSA-Vertrag spricht man, wie oben beschrieben, von den vorgesehenen 85% die gedeckt sein sollten. Eine Schule im RSA nimmt somit in Kauf, dass nicht die Vollkosten zu 100% gedeckt werden, dafür aber wie ausgeführt, andere Vorteile zum Tragen kommen.
„Vollkosten sind die gesamten Kosten, die beim Betrieb einer Schule anfallen. Grenzkosten bezeichnen hingegen nur die zusätzlichen Kosten, die entstehen, wenn einzelne Schüler mehr oder weniger an der Schule sind. Das betrifft in der Regel nur die variablen Kosten, da sich die Fixkosten bei kleinen Änderungen nicht verändern.“
Eine 2025 Analyse zeigte schliesslich, dass die Schulkinder aus dem Aargau (z.B. im Jahr 2023) für ein Defizit von rund 260'000 Franken sorgten. Dies, weil die Bildungskosten in den vergangenen Jahren generell stetig angestiegen sind. Sie werden sich leider auch in Zukunft weiter verteuern. Der Kanton Zürich hat vor Kurzem die Stundenpauschale für Lehrpersonen erhöht, was folglich zu weiteren Kostensteigerungen im Bildungswesen führen wird.
Die Gemeinderäte Zurzach und Fisibach stellen sich auf den Standpunkt, dass die 85 Prozent der durchschnittlichen Nettoausbildungskosten gemäss RSA-Staatsvertrag, durch die Kantonalen Bildungsdirektionen sichergestellt werden müssen. Mitunter dieser Voraussetzung zur Kostengarantie, hat die Gemeinde Weiach, wie auch die Sekundarschulgemeinde Stadel, seinerzeit dem Beitritt ins RSA zugestimmt.
Situation Oberstufe Stadel
Die Kaiserstuhler und Fisibacher Jugendlichen besuchen momentan die Oberstufe in Stadel und das Gymnasium in Bülach. Obwohl es bei der Abstimmung vom 8. März 2026 in Weiach nicht um die Oberstufe, sondern um Kindergarten und Primarstufe geht, dürfte es in der Praxis nicht möglich sein, dass die beiden Stufen (Kindergarten/Primarstufe und Oberstufe) nicht mehr im gleichen Kanton unterrichtet werden. Denn der Übertritt von der sechsten Klasse in die Oberstufe ist ein sehr intensiver schulischer Prozess. Betrachtet man zusätzlich den sozialen Aspekt, würde dies für die Jugendlichen bedeuten, dass sie teilweise von den Klassen-Gspändli, mit welchen sie seit dem Kindergarten bis und mit der 6. Klasse zusammen waren, getrennt würden.
Abstimmung vom 8. März 2026
Es wird von Seiten Zurzach und Fisibach befürchtet, dass das Weiacher Stimmvolk der Empfehlung der Exekutive folgt und die Auflösung der Verträge beschliesst. Die finanziellen Konsequenzen für Weiach sind für die Weiacher Steuerzahlenden jedoch noch nicht absehbar.
Tritt dieser Fall ein, kann Weiach die Anschlussverträge mit Zurzach (Kaiserstuhl) und Fisibach auf Ende des Schuljahres 2028/2029 kündigen. Die genauen Details und Übergangsbestimmungen müssten danach abgemacht und ausgehandelt werden.
Der Gemeinderat Zurzach setzt sich zusammen mit dem Gemeinderat Fisibach weiterhin mit sehr viel Engagement und Herzblut für die weiterführende, gute Zusammenarbeit mit der Schule Weiach und Sek. Stadel ein.
Schulweg
Dem Gemeinderat ist die grosse Bedeutung der partnerschaftlichen Schullösung mit Weiach/Stadel bewusst. Der Schulweg ist überschaubar und ab der ersten Klasse gut selbstständig zu bewältigen. Mit Bus oder Velo, auf dem sicheren Radweg, ist es möglich, dass die Kinder auch in ihrer Freizeit die sozialen Kontakte zu ihren «Gspändlis» pflegen können. Würden die Kinder die Schule Zurzach besuchen, wäre dies nicht mehr so einfach möglich, auch wenn natürlich ein Schülertransport organisiert würde.
Wie weiter?
Wohl oder übel müssen wir den 8. März 2026 abwarten und anschliessend zusammen mit allen beteiligten Partnern die weiteren Schritte besprechen. Zudem wird ein ‚Runder-Tisch‘ mit den beiden kantonalen Bildungsdirektionen angestrebt.
Wir können Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, ob sich für die in Kaiserstuhl wohnhaften Kinder etwas ändern wird, per wann es sich genau ändern würde und wie die neue Situation sich genau präsentieren würde. Aber wir werden alles in unserer Macht Stehende tun und alle möglichen und realistischen Optionen prüfen.
IM NAMEN DES GEMEINDERATES ZURZACH
Informationen von:
Schule WeiachExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.
Gemeinderat WeiachExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.
Gemeinderat FisibachExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.
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